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Do, 14 Dez 2017
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Google nutzt Benutzer, um Künstliche Intelligenz zu trainieren

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Haben Sie schon einmal eine Aufgabe lösen müssen, bevor Sie sich in eine Webseite einloggen konnten (z. B. wo man Autos, Straßenschilder, Hausnummern usw. auswählen oder abtippen muss)?

Internet

© Alexey Malgavko / Sputnik

Solche Aufgaben werden CAPTCHAS genannt, was auf Deutsch „vollautomatischer öffentlicher Turing-Test zur Unterscheidung von Computern und Menschen“ bedeutet. Diese CAPTCHAS werden verwendet, um festzustellen, ob ein Mensch oder eine Maschine einen Computer bedient, um mögliche schädliche Handlungen von fremden und bösartigen Computerprogrammen (z.B. Bots für automatisches Spamming) zu reduzieren.

Nur wenige Benutzer wissen, dass jedes Mal, wenn sie solche Aufgaben lösen, sie Künstliche Intelligenz trainieren. Das ist zumindest bei Google’s CAPTCHAS der Fall. Google gibt selbst zu:

Hunderte Millionen CAPTCHAs werden täglich von Menschen gelöst. reCAPTCHA nutzt diese menschliche Anstrengung positiv, indem es die Zeit, die für das Lösen von CAPTCHAs aufgewendet wird, für die Digitalisierung von Texten, die Annotation von Bildern und die Erstellung von maschinellen Lerndatensätzen verwendet. Dies hilft wiederum dabei, Bücher zu erhalten, Karten zu verbessern und schwierige K.I.-Probleme zu lösen.

Ich persönlich habe sehr viele CAPTCHA-Aufgaben bekommen, die von mir verlangen, dass ich Autos und Straßenschilder auswähle. Können wir erraten, warum diese Aufgaben so sehr auf den Verkehr bezogen sind? Nun, ich persönlich vermute, dass, weil ja Google auch fahrerlose, vollautomatische Autos entwickelt, die Lerneffekte im Endeffekt diesen Autos zugutekommen.

Google Translate

Vor ca. einem Jahr habe ich eine dramatische Verbesserung von Google Translate festgestellt. Andere haben das ebenfalls bemerkt, darunter ein japanischer Professor bei der Maschinen-Übersetzung vom Englischen ins Japanische:

Rekimoto … verglich einige Sätze aus zwei veröffentlichten Versionen [des amerikanischen Romans] „The Great Gatsby“, Takashi Nozakis Übersetzung aus dem Jahr 1957 und Haruki Murakamis neuester Iteration, mit dem, was dieser neue Google Übersetzer hervorbringen konnte. Murakamis Übersetzung ist „in sehr verfeinertem Japanisch“ geschrieben, hat mir Rekimoto später per Email erklärt, aber die Prosa ist unverwechselbar „Murakami-artig“. Demgegenüber liest sich Google’s Übersetzung – trotz „kleiner Unnatürlichkeiten“ – für ihn „transparenter“.

Google Translate war 2016 in ein A.I.-basiertes System übergeführt worden, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa und Asien.

Auch hier gilt: Jedes Mal, wenn Sie eine Verbesserung der Übersetzung vorschlagen, trainieren Sie die hinter dieser Dienstleistung stehende Künstliche Intelligenz.

Und selbst wenn Sie nicht direkt dabei mithelfen, die Übersetzung zu verbessern: Einige Blog-Betreiber werden den korrigierten Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen, und dann, weil Google ja auch Marktführer bei den Suchmaschinen ist, wird Google höchstwahrscheinlich seine eigene Übersetzung erkennen und die Korrekturen für das Training ihrer K.I. verwenden.

Und da K.I. nicht müde wird und 24 Stunden pro Tag 7 Tage die Woche lernt, kann es über die Jahre sich selbst in großen Ausmaßen verbessern, mit dem heutigen Stand der Technik wahrscheinlich viel mehr, als das Menschen jemals schaffen würden.

Ja, Google hat offensichtlich schon vor einiger Zeit erkannt, dass es wichtig ist, seine Nutzer selbst zu nutzen, und sie haben offensichtlich ziemlich viel Erfolg damit.

Wohin wird das noch führen?

Meiner Meinung nach ist es nicht schlimm, wenn K.I. lediglich CAPTCHAs oder Maschinen-Übersetzungen, oder vollautomatische, fahrerlose Autos betrifft.

Wenn wir jedoch den bekannten Stand der Technik ein wenig extrapolieren, ist es sehr leicht denkbar, dass solche K.I. Systeme auch für eigennützige Zwecke eingesetzt werden könnten. Marktführer in solchem Umfang zu sein, bedeutet Macht zu haben. Und Macht-Monopole haben auf lange Sicht nur selten für die allgemeine Wohlfahrt beigetragen.

Wir werden abwarten und sehen müssen, wie Google und andere Tech-Giganten sich verhalten. Google’s Motto war „Don’t be evil“„Sei nicht böse“. Hoffen wir, dass sie sich daran halten und die Zunft der IT-Ingenieure sich nicht an einem Punkt gezwungen sieht, Technologien zu entwickeln, die dem Motto Kann nicht böse sein“ folgen.

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Michael Franzl (Profile)

Michael Franzl ist Diplomingenieur für Mechatronik. Nach beruflicher Aktivität in Mikrotechnologie und Wirtschaft machte er sich im Software-Bereich selbständig und entwickelt heute moderne Internetanwendungen, darunter die Radio-Plattform für Sott.net. Wenn es die Zeit zulässt, schreibt er auch gerne Artikel für Sott.net, um Themen aus neuen Richtungen zu beleuchten.

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