Spaziergänge wirken: Hat Söder plötzlich die Hosen voll?

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Spaziergänge wirken: Hat Söder plötzlich die Hosen voll?

Von Theo-Paul Löwengrub – 6. Januar 2022

Macht neuerdings auf „milde Sorte“, nicht nur beim heutigen Sternsingen: Södolf (Foto:Imago)

Die Proteste und Spaziergänge zeigen Wirkung: Es sind ganz ungewohnte Töne vom vollmundigen Ober-Corona-Scharfmacher und -Feldherrn Södolf, die er in einem aktuellen Interview anschlägt. Ausgerechnet er, der von den ersten Tagen der „Pandemie“ an bis vor kurzem keine Gelegenheit ausgelassen hat, das möglichst totalitäre Gesundheitsregime für alle in die Tat umzusetzen. Quarantäne, Ausgangssperren, Lockdowns, Bundesnotbremse, Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Testen, Impfen, Nachschärfen – das Vokabular Söders zeugte von einer Freiheitsfeindlichkeit und Verächtlichmachung von Bürgerrechten, die ungute Maßstäbe setzte.

Jetzt sind von ihm plötzlich ganz andere Klänge zu vernehmen; auf einmal gibt sich Söder zurückhaltend und handzahm. Er sehe derzeit „keine ausreichende Grundlage für Corona-Verschärfungen”, erklärte er zu Verblüffung seiner journalistischen Gesprächspartner gegenüber „Bild TV„. Ausgerechnet kurz vor der morgen anstehenden Bund-Länder-Runde – einem Zeitpunkt also, zu dem Söder bei früheren Anlässen schonmal so richtig warmgelaufen wäre und Maximalforderungen aufs Tapet gebracht hätte – wirkt er, als hätte man ihm den Schwanz eingeklemmt: „Es gebe noch kein abschließendes Empfehlungspapier für eine weitreichende Entscheidung”, windet er sich verunsichert, und setzt nach: „Wenn es weitere Maßnahmen geben sollte, dann müssen die gut wissenschaftlich begründet sein.“ Ein guter Witz – gerade aus Söders Mund, der sich zuvor in dieser Krise noch nie an Expertisen oder wissenschaftliche Ratschlüsse gestört hatte, wenn sie nicht zur Rechtfertigung seiner autoritären Anmaßungen taugten. Nicht ohne Grund erklärte der Bayerische Verwaltungsgerichthof denn auch seine Ausgangssperre 2020 für verfassungswidrig.

Für Söders „Sinneswandel“ – in Wahrheit ist es die opportunistische Reaktion auf eine sich für ihn bedrohlich ändernde Stimmungslage – gibt es einen naheliegenden Grund: Die Proteste und Kundgebungen haben gerade in Bayern ihre Wirkung auf die Politik vor Ort keineswegs verfehlt; im Gegenteil. Viele Landräte, Oberbürgermeister und lokale CSU-Granden sehen ihre Felle schwimmen. Sie bekommen den Frust der Bürger ab – und machen den Scharfmacher in der Münchner Staatskanzlei dafür verantwortlich. Und immer mehr Unverständnis und Ungeduld der Bürger schlagen der Staatsregierung entgegen. Und natürlich sind es auch Eindrücke wie diese vom unsäglichen Verhalten seitens Söders Landespolizei, die für ein unaufhaltsames Umkippen der öffentlichen Meinung sorgen:

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Jetzt spielt Söder also auf einmal den Zurückhaltenden, Besonnenen – und versucht, seine unverhoffte Mäßigung als die normalste Sache der Welt hinzustellen: Nach seinen Informationen gebe es bislang keine Empfehlungen des neuen Expertenrats der Bundesregierung für eine Verschärfung von Maßnahmen. Söder: „Das muss jetzt mal geklärt werden, denn ohne wissenschaftliche Expertise macht es ja keinen Sinn.” Deshalb sei die Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag auch „möglicherweise ein paar Tage zu früh angesetzt”. So etwas sagt einer, dem noch im Dezember die Vorverlegung des Termins der Bund-Länder-Runde zu den Weihnachtsmaßnahmen Anfang Dezember gar nicht schnell genug gehen konnte. Und scheinheilig erklärt er, anders als bei früheren Wellen sei bei Omikron „die Verunsicherung riesengroß” – weshalb es „Entscheidungen auf wissenschaftlich nachvollziehbarer Grundlage” brauche,  „die dann auch vor Gerichten standhalten”.

Und dann folgt der wohl verräterischste Teil seiner Aussage, der zeigt, dass die Demonstrationen ihren Zweck nicht verfehlt haben: Man müsse „in diesem Jahr auch darüber nachdenken, wie wir die Gesellschaft wieder heilen und versöhnen können”. Man müsse sich abgrenzen vom „rechtsradikalen Bereich” der Proteste, aber „es gibt auch viele Menschen, die schlicht und einfach verunsichert sind, die genervt, müde und gestresst sind. Und für die brauchen wir ein Angebot auf Dauer zum Gespräch, zum Miteinander.” Dazu erwarte er von der neuen Bundesregierung Vorschläge, „wie sie glaubt, diese Pandemie in den nächsten Wochen gestalten und bewältigen zu können.” Der Opportunist tut das, was er am besten kann: Sein Fähnchen in den Wind hängen. Weil er den Volkszorn fürchtet, gibt er sich mit einem Mal empfänglich für Kritik. Ob das Volk Södolf diese neue Sensibilität abkauft? Ob er damit am Ende seine Haut retten wird? Man darf es bezweifeln.

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9 KOMMENTARE

  1. Otto Alles gesagt mit dem letzten Satz. Merke: „Wenn jemand zurückweicht, gibt er meist nicht auf. In der Regel holt er Anlauf für den nächsten Anschlag.“ Antwort
  2. Gerli Wie bestellt (gewählt) so erhalten.
    Faschisten in der Politik haben gegen ihr eigenes Volk geputscht und es wird
    gegen das geltende Recht, u.a. gegen das GG, gequält !
    Dagegen genießen unnötig Importierte hier im Schlaraffenland BRD Vollversorgung
    und Narrenfreiheiten !
    Wer hat Faschisten gewollt, natürlich Faschisten, die sie gewählt haben. Antwort
  3. Tannenherz High, Söder macht nur den typischen Schritt zurück, dem bald wieder zwei Schritte vorwärts folgen werden. Freundlichst Fiete Antwort
  4. Johan Berger Der Ansehensverlust der Poizei ist atemberaubend. Aus Freund und Helfer wurde eine schwarze Truppe, die keine Mäßigung mehr kennt. Antwort
  5. caesar Söder hat offenbar neue Anweisungen erhalten. Antwort
  6. Ketzerlehrling Weniger. Aber er gerät mit seinem Gehabe auch in der eigenen Partei unter Druck. Sie steht nicht gut da. Wenn diese Figuren weiterhin eine Rolle spielen wollen, dann geht das so nicht. Vor allem die Prügelei der Polizei in München, verstrickt in einen sich ständig ausweitenden Drogenskandal, sollte er unterbinden und nicht fördern, obwohl er sich hierzu, komischerweise, nicht äussert und keine Hardlinertexte absondert. Er ist ein Ehrgeizling, seine Karriere ist alles, dafür hängt er sein Mäntelchen in den Wind. Antwort
  7. Koboldhasser https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-querdenker-demo-gegendemo-1.5501797 Das regimetreue Systemblatt feiert das Terrorregime bis zum Erbrechen. Terrordespot Scholz wird garantiert schon bald den Schießbefehl erteilen und Kumpan Steinmeier wird das mit seiner Unterschrift auch bedenkenlos absegnen Antwort
  8. Reiner Ernst Im Grunde läuft es doch seit knapp zwei Jahren so ähnlich ab:
    Zügel anziehen (Söder), festhalten bis der Mob kurz vor dem Explodieren ist.
    Zügel nachlassen, Wohltat in Aussicht stellen – die Masse schöpft Hoffnung und wird leise.
    Zügel noch stärker anziehen – bis zur Schmerzgrenze des „Souveräns“.
    Zügel nachlassen, das evtl. Ende in Aussicht stellen. Glückshormone werden ausgeschüttet.
    Man wiederhole beliebig, bis alle einen an der Waffel haben und nur noch ihre Ruhe haben wollen.
    Dann aber wird seitens der Obrigkeit gehandelt – und diese Maßnahmen kann man vermutlich nicht mehr rückgängig machen. Antwort
  9. avalonballroom Die letzte Mittwochs Demo in München ist vernichtend für die Polizei und die Politik. Antwort

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