Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 43

Mathias Broeckers

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 43

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Ich werde langsam ein wenig kriegsberichterstattungsmüde. Und würde am Liebsten nur noch Karl Kraus zitieren, der Anfang des 20. Jahrhunderts eigentlich schon alles gesagt hat.
“Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt ? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”, hatte er notiert nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war. Dieser fingierte Bericht war für ihn die Urlüge und das Paradebeispiel für die Manipulation der Massen in Kriegszeiten, die Kraus dazu führte, “den Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft zu verabscheuen”.
Als Pionier der Medienkritik hatte Kraus schon erkannt, dass die Medien die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern erzeugen,und dass Meinungen und Stimmungen nicht einfach entstehen, sondern gemacht werden: “Ich habe erlebt, wie Krieg gemacht wird, wie Bomben auf Nürnberg, die nie geworfen wurden, nur dadurch, dass sie gemeldet wurden, zum Platzen kommen.”
All das erleben wir heute. Und nicht mehr nur schwarz auf weiß, als Zeitungsmeldung in gedruckter Form, sondern in Bild und Ton rund um die Uhr – Fake News, Desinformation, Propaganda im Turbo-Modus. Und weht doch noch mal ein zarter Hauch von echter journalistischer Berichterstattung – wie eine CBS- Dokumentation über Schwarze Loch Ukraine, in dem zwei Drittel der gelieferten Waffen  verschwinden – dann muss der Sender den Report entfernen. Wenn Amnesty International berichtet, dass die ukrainische Armee Kriegsverbrechen begeht weil sie sich hinter Zivilisten verschanzt,wird die Institutschefin sofort gefeuert.  Und wenn ein Prominenter wie der großartige Roger Waters ( “We dont need no education”) auf CNN ein wenig Klartext redet und dem Reporter  (ab Min. 23) “education” verordnet in Sachen 2.Weltkrieg, Ukraine, Minsk-Vereinbarungen und begründet, warum der waffenliefernde Joe Biden ein “Kriegsverbrecher” ist (wie übrigens ja auch sämtliche  seiner Vorgänger in den letzten Jahrzehnten), kann so ein Interview nicht ungeschnitten gesendet werden. Und wer gar wagt, als echter Frontreporter live aus dem Donbass zu berichten wie Graham Philips, dem wird in seiner britischen Heimat sein Bankkonto gesperrt – ohne Gerichtsverfahren, ohne Einspruchsmöglichkeit, unter dem Bann totalitärer “Sanktionen”. Über den ähnlich gelagerten Fall der deutschen Youtube-Bloggerin Alina Lipp hatten wir unlängst  im 3. Jahrtausend berichtet.  Willkommen in der Neuen Normalität der “regelbasierten internationalen Ordnung”, in der grundlegende Menschenrechte der Magna Carta  von 1215 ebenso außer Kraft gesetzt sind wie die Presse-und Meinungsfreiheit. 
Auch einige Exemplare der Kraus`schen “Fackel” wurden 1914 ff. beschlagnahmt oder zensiert, als außer ihm nahezu sämtliche Literaten, Künstler und Intellektuelle in Reih` und Glied dem Kriegswahn anheim fielen und Zeitungen “patriotisch” gleich-geschaltet waren. Wer Zweifel am “Sieg” äußerste, galt, mit den aus Frankreich importierten Modewort, als “Defätist”, für Völkerfreundschaft und Verhandlungen mit dem “Feind” zu plädieren als Verrat, Haß und Hetzgedichte wurden vom Kaiser persönlich gewürdigt und bald , so Stefan Zweig in seinen Erinnerungen “Die Welt von Gestern”, gab es “unter den siebzig Millionen Deutschen…keinen einzigen Menschen mehr, der den ‚Hassgesang gegen England‘ nicht von der ersten bis zur letzten Zeile kannte.” Jetzt stimmt auch die alte Tante “Zeit” , einst eher solide und zurückhaltend, völlig ungeniert solche Chöre an – “Russen sind Zombies!” – mit Homestorys über die heldenhaften ukrainischen Nazi-Brigaden, deren rassistische, menschenverachtende Ideologie den lesenden Oberstudienrätinnen als “Hypernationalismus, Männlichkeitsmythen und Askese” nahe gebracht werden. Also asketischen Hakenkreuz-Mönche im heiligen Krieg gegen russische Untote – Freund/Feind-Unterscheidung leicht gemacht, nur Zombieversteher können da zweifeln…
Unterdessen will Präsident Zelensky mit diesen Gestalten weiterhin die Halbinsel Krim “zurückerobern”, was zwar völlig illusionär ist, von der hyperbellizistischen BBC aber selbstverständlich 1:1 reportiert wird. Ein wichtiger Grund, warum der Ex-Komiker von seiner  schon arg zermürbten Armee weitere Landgewinne fordert, mag in einem Gesetz liegen, das er 2020 erlassen und damit  möglich gemacht hat, dass ukrainisches Land, die seit der Antike für ihre Fruchbarkeit berühmte “schwarze Erde”,  zur Beute von Hedgefonds werden konnte: 30% des ukrainischen Bodens  – 1,7 Millionen Hektar, mehr als sämtliche Agrarflächen Deutschlands – sind mittlerweile im Besitz von multinationalen Konzernen unter der Kontrolle von Blackrock, Vanguard und Co. Innerhalb, unterhalb, dieses Kriegs gibt es einen weiteren um Landwirtschaftsflächen, mit Monsanto, Dupont und dem Giftkartell auf der einen Seite und Russlands Verbot von  genetisch verändertem Saatgut auf der anderen. Dass die fruchtbarsten Böden der Ukraine im mittlerweile russisch kontrollierten Süden und Osten des Landes liegen   – ebenso wie die großen Erdgasfelder im Donbass, auf die Exxon ein Auge geworfen hat – und bei der aktuellen Lage im Krieg für diese Investoren verloren sind, mag erklären, warum seitens des Großkapitals und seiner Büttel in der Politik der “Sieg auf dem Schlachtfeld” trotz seiner Aussichtslosigkeit nach wie vor propagiert wird.

Schon vor zwei Monaten hatte die Ministerin unseres Äußersten ja die Kriegsmüdigkeit in Deutschland beklagt und scheint von ihrem Pipi-Langstrumpf-Trip “Russland ruinieren” noch immer nicht runterzukommen. Auch Turbinen-Kanzler Olaf will sich von dem naiven Unfug, es dürfe keinen “Diktatfrieden Putins” geben, nicht verabschieden bevor das schreckliche Schlachtfest bis zum letzten Ukrainer durchgezogen ist – und er lässt sich von seinem Sanktionsirrsinn auch nicht davon abbringen, die russischen Kriegskassen weiter zu füllen. Gestern meldete die russische Zentralbank, dass sich das Plus in der Zahlungsbilanz  im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht hat und von 50 auf 166 Milliarden Dollar:
“Nach dem Basisszenario der im Juli aktualisierten Prognose der Zentralbank für das Jahr 2022 wird bei einem durchschnittlichen jährlichen Ölpreis von 80 USD pro Barrel ein Leistungsbilanzüberschuss von 243 Mrd. USD, ein positiver Saldo des Außenhandels mit Waren und Dienstleistungen von 277 Mrd. USD und ein negativer Saldo des Primär- und Sekundäreinkommens von 33 Mrd. USD erwartet.”
Wer  Russland reich und Deutschland und Europa ruinieren will, muss mit dem Sanktionszirkus einfach nur weitermachen. Und wer NATOstan de-militarisieren will, muss nur weiter Waffen an die Ukraine liefern, die entweder im Oligarchen-Sumpf verschwinden oder von den Russen vernichtet werden. Stecken Wladimir und Wolodimyr etwa heimlich unter einer Decke und wir sind gar nicht die Guten, sondern die Dummen ?
(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 42

Posted on by Mathias Broeckers / 46 Comments

“Im allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem konservativ,  während das Freihandelssystem zerstörend wirkt. Es zersetzt die bisherigen Nationalitäten  und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze.  Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolutionären Sinne, meine Herren, stimme ich für den Freihandel.”  So Karl Marx 1849 in einer Rede über den Begriff und das Narrativ des “free trade”, unter dem die britische “East India Company” zehn Jahr zuvor mit Kanonenbooten an der chinesischen Küste vorgefahren waren, um den “Freihandel” mit Opium durchzusetzen. In den  zwei “Opiumkriegen” von 1839–1842  und von 1856–1860   kolonisierten die Briten Hongkong und fünf weitere Hafenstädte und zwangen das Kaisereich mit Waffengewalt, der British East India Company den Verkauf von Opium zu erlauben. Dies ermöglichte es, die begehrten chinesischen Waren wie Tee, Seide oder Porzellan nicht mit heimischem Silber, sondern mit Opium aus den indischen Kolonien zu bezahlen. 1858 forderte  Karl Marx dann als  Londoner Korrespondent der New York Herald Tribune, dass England “durch den Druck der gesamten zivilisierten Welt gezwungen wird, den Zwangsanbau von Opium in Indien und dessen gewaltsame Verbreitung in China einzustellen.“ Doch erst mehr als fünf Jahrzehnte später war London bereit, auf den Opiumhandel zu verzichten, der die wichtigste Einnahmequelle des britischen Imperiums darstellte: “Ohne Opium kein Empire” fasste Prof. Carl Trocki 1999 eine Studie über die geopolitische Ökonomie des  Drogenhandels zusammen. Und nochmals 50 Jahre später agierte das US-Imperium in Vietnam und Afghanistan nach derselben Regel. (Mehr dazu meinem Buch “Die Drogenlüge”, 2010)
Mir fielen diese Geschichten wieder ein, als Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, jetzt ihren Stunt in Taiwan absolvierte. Die Zeit von den Opiumkriegen bis zum Sieg der kommunistischen Volksbefreiungsarmee unter Mao Zedong 1949 gilt in China als das “Jahrhundert der Demütigung” – durch die britischen und andere europäische Kolonisatoren und durch die Invasion und Massaker des faschistischen Japan von 1937-1945. Dass der im Bürgerkrieg unterlegene Nationalist Chiang Kai Shek auf die Insel Taiwan flüchtete, wo er dann bis 1975 quasi-diktatorisch herrschte, hat für die Chinesen nichts daran geändert, Taiwan weiterhin als Teil Chinas zu betrachten und eine Wiedervereinigung anzustreben. Das US-Imperium hingegen setzt wie überall auf der Welt auf Teile & Herrsche: Separation und militärische Konflikte, hatte aber mit Rücksicht auf Handel mit China in den letzten Jahrzehnten den Ball in Sachen Taiwan relativ flach gehalten, weshalb seit 25 Jahren kein US-Offizieller die Insel besucht hat. Dass nun die korrupte kalifornische Schreckschraube Pelosi als Nr.3 in der US-Hierarchie nicht diskret diplomatisch, sondern mit wochenlangem Bohei und PR-Getöse anreist, hat denn auch nichts mit Diplomatie und Völkerfreundschaft, sondern nur mit Ignoranz und Provokation zu tun. Außer “Demokratie vs.Autokratie”-Geblubbel hatte Mrs.Pelosi auch gar nichts zu sagen und konnte nur hoffen, dass die Taiwanesen das berühmte Bejamin Franklin Zitat – “Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.” – nicht kennen, von dem sie eine gestammelte Bullshit-Version zum Besten gab.

Nancy Pelosis Benjamin Franklin Cover

Aber sie hat, wie es  heißt, “Gesicht gezeigt”  und damit einen Sieg im Informationskrieg errungen, während die Chinesen einmal mehr “gedemütigt” worden seien. Als in den Medien darüber spekuliert wurde, dass die chinesische Luftwaffe  die Maschine Pelosis über dem Golf von Taiwan abschießen könnte, fiel mir zwar ein alter Zappa-Titel dazu ein ( “Ship Arriving Too Late To Save A Drowning Witch”),  aber auch gleich, dass die Chinesen nicht auf dem Hollywood-Niveau von Tom Cruise oder Tom Clancy Krieg führen, sondern ihren Sun Tzu gelesen haben: der weise Feldherr lässt sich Ort und Zeitpunkt der Attacke nicht vorschreiben. Aber eine Antwort werden die USA bekommen – auch China kann “Sanktionen”. In der Global Times, dem quasi-offiziellen Organ des Politbüros, wird das deutlich: “Die Russland-Ukraine-Krise hat der Welt gerade gezeigt, welche Folgen es hat, wenn eine Großmacht in die Enge getrieben wird… China wird seinen Prozess der Wiedervereinigung stetig beschleunigen und das Ende der US-Vorherrschaft in der Weltordnung erklären.”

Willkommen am Ende der unipolaren Welt, wo in Deutschland seit dem 27. Juli  nur noch 20% Erdgas über “Nordstream 1” ankommen, weil die in Kanada reparierte Turbine jetzt in Mühlheim an der Ruhr steht. Dort hat sie eigentlich nichts zu suchen und sollte schon längst in Russland wieder installiert sein, wobei Olaf Scholz, der das Gerät jetzt einer Inspektion unterzogen hat, die Verzögerung selbstverständlich allein den bösen Russen und nicht seinem idiotischen Sanktionismus zuschreibt. Da die mächtigen Siemens-Turbinen regelmäßig gewartet werden müssen, sind im Herbst weitere zur Überholung fällig und wenn sich das dann wieder derart hinzieht, hat Gazprom angekündigt, kommt möglicherweise gar nichts mehr an. Spätestens dann ist Schluss mit lustig und die allerletzte Chance, den transatlantisch verordneten Selbstmord auf Raten abzubrechen. Dass Altkanzler Schröder mit Putin darüber geredet haben soll, ob im äußersten Notfall die mit russischen Turbinen betriebene Nordstream 2-Pipeline Gas liefern könnte, wird hierzulande freilich nicht als vernünftiger “Plan B” gehandelt, sondern mit Rauswurf aus der SPD. Ich war nie ein Fan von Schröder, auch nicht als ich eine Zeit lang das Büro mit dem zu früh gestorbenen Reinhard Hesse teilte, der für “Gerd” schon die Reden verfasste, als er noch in Hannover präsidierte und ihm als Kanzler dann eine Regierungsführung “mit ruhiger Hand” und ohne das “Abenteuer” Irakkrieg aufschrieb. Wenn Schröders diplomatische Aktivitäten, die  angesichts einer akuten Weltkriegsgefahr unbedingt notwendig und unterstützenswert sind, nicht mehr SPD-kompatibel sein sollen, dann haben sich die Sozialdemokraten genauso um 180 Grad von ihren Grundsätzen entfernt wie die einstige “Friedenspartei” der Grünen, die vor lauter Kriegsgeilheit völlig aus dem Häuschen ist. Während R.Habeck in “dienender Führungsrolle” der USA weiter an der De-Industrialisierung Deutschlands arbeitet, will die größenwahnsinnige A.Baerbock als führende Vasallin des Imperiums für die militärische Durchsetzung der “regelbasierten” (i.e. us-diktierten) “internationalen Ordnung” kämpfen. Verglichen mit diesem von chronischer Transatlantitis und schwerem Bellizismus infizierten Olivgrünen wirkt Turbineninspektor Scholz ja zumindest zeitweise noch halbwegs gesund. Möge also Reinhard dem Olaf aus dem Himmel im richtigen Moment die passenden Worte flüstern, wie er  – mit Gerds Hilfe –  aus der Scheiße wieder rauskommt….
(wird fortgesetzt)

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 41

Posted on by Mathias Broeckers / 28 Comments

Ob Altkanzler Gerhard Schröder nur “ein paar Tage Urlaub” in Moskau macht oder mit seinem Freund Wladimir Putin über die Gaslieferungen redet, ist derzeit unklar, sicher ist nur, dass die Schiedskommission der SPD Anfang August über seinen Parteiausschluss verhandelt. Weil der unter anderem von dem irrlichternden  Corona-Clown Lauterbach gefordert wird, sagt mir mein Bauchgefühl zwar im Moment , dass die Sozialdemokraten so irre noch nicht sein können, dass sie Schröder wirklich  raus werfen. Aber im politischen Absurdistan der Neuen Normalität  ist mittlerweile alles möglich, sogar dass Willy Brandt posthum aus der SPD fliegt.  Die “Grünen” setzen auf AKWs und Kohlekraftwerke, Kriegskanzler Scholz macht 100 Milliarden für Aufrüstung locker, die EU erwürgt sich mit immer neuen Sanktionen immer weiter und die Propagandaorgeln der Massenmedien dröhnen ohne Unterlass, dass allein Putin für all das verantwortlich  ist. Weil er – so  R.Habeck – “wirtschaftskriegerisch” gegen uns vorgeht und weil die Russen – so A.Baerbock – ihren Krieg “hybrid” führen. Als vom Völkerball kommende Expertin müsste die Außenministerin zwar wissen, dass – wenn man auf jemanden zielt – auch zurückgeworfen wird und Minister Habeck sollte eigentlich einleuchten, dass man nicht Panzer und Waffen gegen Russland schicken und im Gegenzug Küsschen und Smilies erwarten kann. In der bizarren Welt der neuen Normalität aber sind solche Erwartungen ok und es wird ohne mit der Wimper zu zucken über “Russlands brutalen Gaskrieg” gelogen, obwohl man sich mit den eigenen Sanktionen ja selbst von russischer Energie abschneidet. Denn es sind nicht die  brutalen Ruskies, die Deutschland  kein Öl und Gas mehr verkaufen wollen – “Nordstream 2” ist betriebsbereit und  könnte morgen ohne Ende liefern  – es ist die deutsche Regierung, die es nicht kaufen will. So wie ja auch nicht Russland, sondern der kollektive Westen mit seinen Sanktionen der Aggressor im Wirtschaftskrieg war, um damit “hybrid” den militärischen russischen Angriff auf die Ukraine zu kontern und zu stoppen. Dass diese “wirtschaftskriegerische” Strategie nicht nur nicht aufgeht, sondern sich als Bumerang erweist, der Europa viel stärker trifft als Russland ist mittlerweile offensichtlich –  doch über Nordstream 2 Gas zu beziehen wäre, so Habeck, eine “Kapitulation” und”das Gegenteil von dem was wir das letzte halbe Jahr hier unternommen haben”.
Was freilich komplett nach hinten losgegangen ist, weshalb das “Gegenteil” genau in die richtige Richtung weist. “Wer einen Fehler nicht einsieht, begeht einen zweiten” wusste schon Konfuzius, doch von derlei simpler Lebensweisheit  scheinen die westlichen Regierungen meilenweit entfernt. Einzig der europäische bad boy Victor Orban hat den Mumm, das Scheitern zu benennen: “Wir sitzen in einem Auto, das alle vier Reifen platt hat: Es ist absolut klar, dass der Krieg so nicht gewonnen werden kann”.  Alle vier Pfeiler der westlichen Strategie –  dass die Ukraine einen Krieg gegen Russland mit NATO-Waffen gewinnen kann, dass Sanktionen Russland schwächen und Putin destabilisieren, dass Sanktionen Russland mehr schaden als Europa und dass die Welt sich zur Unterstützung des Westens zusammenschließen würde – seien gescheitert. Weil die Regierungen in Europa “wie Dominosteine” zusammenbrächen und die Energiepreise in die Höhe schiessen. sei jetzt eine neue Strategie erforderlich.

Wo er recht hat, hat er recht, der “rechte Populist” Orban, was aber unseren olivgrünen Vizekanzler nicht von dem ideologischen Framing abhalten wird, dass wir schließlich  “Demokratie” gegen “Autokratie” verteidigen und bis zum letzten Ukrainer gekämpft werden muss. “Wir kapitulieren nicht, niemals” hatte es schon einmal aus Berlin getönt. Ging nicht gut aus damals…und wird es auch diesmal nicht. Auch wenn Herr Scholz und Herr Habeck offenbar immer noch glauben,  bei diesem Match bessere Karten haben als seinerzeit Herr Hitler, und dass sie nur noch ein paar Haubitzen drauflegen  müssen für den “Sieg”. Und mehr kalt duschen – wie jetzt schon in Hannover, wo in öffentlichen Gebäuden, Turnhallen etc. das Warmwasser abgestellt wird. “Was uns nicht umbringt macht uns stärker” – wundern sie sich nicht, wenn das Nietzsche-Zitat  demnächst in Reden auftaucht, in denen für das “Winterhilfswerk” (oder so ähnlich) geworben wird. Und für Solidarität mit dem Freiheitshelden Zelensky, der Zeit findet, mit seiner Elena als Hollywoodkrieger für die “Vogue” zu posieren, während an der realen Front aktuell  – nach Angaben des polnischen (!)  Militärs  – täglich 300 seiner Soldaten ihr Leben lassen. Aber jetzt kommt ja die neue “Gegenoffensive”, die mit der HIMAR Wunderwaffe die Wende bringen wird…. versichern uns dieselben, die die Massenvernichtungswaffen des Irak verkauft, in Libyen die Demokratie verbreitet  und 20 Jahre Afghanistan die “Freiheit” verteidigt haben. Aber keine Sorge: dieses Mal sagen sie die Wahrheit: über den Kriegsverlauf und seine Ziele, über die immensen Verluste des Feindes seine absehbare Niederlage und die moralische Verpflichtung, ihn bis zur letzten Patrone zu bekämpfen. Die von Star-Fotografin Annie Leibovitz aufwändig inszenierte Fotostrecke mit der schönen Helene kommt mir so vor wie ein letztes Aufbäumen im (ohnehin auf ganzer Linie “gewonnenen”) Informationskrieg, mit dem das Vorschieben der schönen Frau signalisiert, dass es “on the ground”, im realen Krieg,  mit dem Mann im Military-T-Shirt eigentlich schon vorbei ist. Der “Kokskopf aus Kiew”, wie böse Zungen ihn nennen, ist der große Verlierer – solche Glamour-Register wie “Vogue” müssen erst gezogen werden, wenn der “Held”  in der Realität nichts mehr zu bieten hat.
In der letzten Folge dieser Notizen hatte ich ja schon die These ventiliert, dass Russland dem kollektiven Westen mit seiner “Spezialoperation” eine Falle gestellt hat und keine Eile hat, die Sache abzuschließen: nicht eingreifen, wenn der Feind einen Fehler macht. Und so wird die ukrainische Armee von ihnen auch nicht abgehalten, Raketen mit größerer Reichweite heranzuschaffen, wozu Außenminister Lavrow schon gesagt hat, dass die größere Reichweite eingesetzter westlicher Waffen mit sich bringen wird, dass die russischen Streitkräfte dann eben weiter nach Westen vorrücken müssen, um ihre Landesgrenze zu sichern. Eigentlich logisch – doch mit Logik, Vernunft, Verstand haben es die NATOstan-Strategen  und ihr dementer Commander in Chief ganz offensichtlich nicht. Genausowenig wie einen Plan, wie sie aus dem Debakel herauskommen. Dafür aber reichlich grausamen Zynismus, jetzt auch noch den” Volkssturm” ukrainischer Männer (die das Land nicht mehr verlassen dürfen) und Frauen (die demnächst ebenfalls eingezogen werden sollen) zu verheizen.
(wird fortgesetzt)

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James Lovelock ist tot – Gaia lebt

Posted on by Mathias Broeckers / 27 Comments

James Lovelock, der Schöpfer der “Gaia”-Theorie, ist an seinem 103.Geburtstag gestorben. Kaum eine andere wissenschaftliche Hypothese hat mich  mehr fasziniert, als die Vorstellung der Erde als selbstorganisiertes, organisches System.  Aus meiner Beschäftigung damit sind Radiosendungen, Bücher und viele Artikel entstanden, zuletzt habe ich 2020 über die Bedeutung von Gaia und der Entdeckungen Lovelocks geschrieben – daraus im Folgenden ein Auschnitt.  Das Foto zeigt ihn mit seiner Ko-Entdeckerin Lynn Margulis (aus dem sehr sehenswerten Film “Symbiotic Earth: How Lynn Margulis rocked the boat and started a scientific revolution (2019)”. R.I.P. James Lovelock.

Ende der 1960er-Jahre wurde der Ingenieur, Mediziner und Erfinder James Lovelock von der NASA gefragt, ob er ein Gerät bauen könnte, mit dem man die Gaszusammensetzung der Atmosphäre von Mars und Venus messen könnte, denn die US-Raumfahrtbehörde wollte erkunden, ob dort Leben möglich sei. Um diese Frage zu beantworten, musste Lovelock den Blick zuerst einem Planeten zuwenden, auf dem es zweifelsfrei Leben gab, der Erde. Schon die Gaszusammensetzung der Erdatmosphäre war erstaunlich, etwa die gleichzeitige Anwesenheit von Sauerstoff und Methan, die unter normalen Umständen aufeinander reagieren wie Fuchs und Hase und eigentlich in Kohlendioxid und Wasser zerfallen müssten. Um den ständigen Methangehalt aufrechtzuerhalten, so Lovelocks Berechnungen, müssten jährlich eine Milliarde Tonnen Methan in die Atmosphäre gelangen. Auch Kohlendioxid, so fand er bei der weiteren Untersuchung heraus, ist zehnmal mehr vorhanden, als es nach den chemischen Erwartungswerten der Fall sein dürfte – ähnlich ist es bei Schwefel, Methylchlorid und anderen Bestandteilen der Atmosphäre. Trotz dieses Ungleichgewichts aber bleibt die reaktive Gasmischung der Atmosphäre stabil. Das konnte kein Zufall sein, genauso wenig wie die Salzkonzentration der Ozeane, die konstant bleibt, obwohl den Meeren jedes Jahr Millionen von Tonnen Salz zugeführt werden. Oder die Temperatur der Erde: In den vier Milliarden Jahren, seit organisches Leben auf dem Planeten erschien, ist die Temperatur der Sonne um 30 Prozent gestiegen. Auf der frühen Erde hätte demnach die mittlere Temperatur eigentlich unterhalb des Gefrierpunkts liegen müssen –Fossilien jedoch zeigen, dass dies nicht der Fall war. Nachdem dank des Geräts, das Lovelock erfunden hatte – dem Electron Capture Detector (ECD) –, entdeckt wurde, dass die atmosphärische Gaschemie auf dem Mars und der Venus nahezu komplett aus CO₂ besteht und absolut stabil ist, grübelten er und seine Kollegen über die Frage nach, wie denn eine größtenteils von Wasser bedeckte Kugel wie die Erde ständig dieses wohltemperierte, subtile Gemisch unverträglicher Gase aufrechterhalten kann und ein Umkippen wie in das tödliche Einerlei ihrer Nachbarn Mars und Venus verhindert.

Die Antwort kam, als ein Kollege von James Lovelock, der Astronom Carl Sagan, ihm 1970 seine Frau Lynn vorstellte.  Sie hatte gerade eine revolutionäre biologische Forschungsarbeit vorgelegt, nach der sich mehrzellige Lebewesen, die Vorfahren aller Pilze, Pflanzen und Tiere, nicht aufgrund von Mutationen und Selektionen entwickelt haben, sondern durch Kooperation und Symbiose. Weil sie damit an einem grundlegenden Dogma des Darwinismus rüttelte – dem Kampf ums Dasein als einzigem Motor der Evolution – hatten zuvor zwölf wissenschaftliche Verlage die Publikation der Arbeit abgelehnt. Für Lovelock und sein Problem aber war Lynn Margulis ein Geschenk des Himmels. Sie war, schrieb er in seinen Erinnerungen, »die erste Biologin, die ein Gefühl für den Organismus hatte. Danach hörte ein Bakterium auf, für mich nur eine Membrantasche zu sein, die einige Gene und proteingesteuerte Mechanismen enthält, um sich selbst reproduzieren zu können, und nicht mehr.(..) Lynn eröffnete mir die Welt der natürlichen Mikroorganismen.«

Und damit die Welt von Gaia. So nannte Lovelock nach einem Vorschlag seines Nachbarn an der britischen Küste, des Schriftstellers William Golding, die Erde und ihre nur wenige Kilometer dünne, fragile Haut, die nicht einfach zufällig da ist, sondern Tag für Tag seit Milliarden Jahren aktiv produziert wird und so die Bedingungen schafft, dass Leben überhaupt möglich ist. Die mythische Bezeichnung nach der alten griechischen Erdgottheit hat dazu geführt, dass die Gaia-Theorie oft als unscharfe, romantische Vorstellung der guten Mutter Erde missverstanden worden ist, auch wenn Lovelock und Margulis einer solchen Verniedlichung von Beginn an ebenso widersprochen haben wie der Vorstellung, dass es sich bei Gaia um ein einzelnes Lebewesen handelt: »Die Gaia-Hypothese ist strenge Naturwissenschaft. Sie besagt, die Oberfläche unseres Planeten verhalte sich in ganz bestimmter eingeschränkter Hinsicht wie ein physiologisches System. Zu diesen physiologisch regulierten Elementen gehören die Temperatur, die Zusammensetzung der reaktionsfähigen Gase in der Atmosphäre einschließlich des Sauerstoffs und der pH-Wert, das heißt das Gleichgewicht von Säuren und Basen.«[1] Sie ist keine gütige Mutter, die alles schon richten wird, sondern wie Lynn Margulis öfter sagte, eine »tough bitch«, ein hartnäckiges Biest, und das muss sie sein, denn nur so kann sie einen Planeten kühl halten, auf dem ohne ihre Aktivitäten mittlerweile eine Durchschnittstemperatur von 50 Grad herrschen würde und kein Leben möglich wäre.

Bruno Latour, einer der eminenten Denker unserer Zeit, hat Lovelocks Entdeckung von Gaia mit der von Galilei verglichen – beides Ingenieure und Universalgelehrte, die mit neuartigen Werkzeugen neuartige Beobachtungen machten und neuartige Weltbilder entwarfen. Während Galileis Kosmologie die Sonne in den Mittelpunkt stellte und die Erde als Zentrum ablöste, brachte Lovelock das Augenmerk wieder auf die Erde und ihre einzigartige, lebendige Hülle zurück. Und wie Ersterer von der etablierten Wissenschaft als Scharlatan abgetan und unterdrückt wurde, ist auch die Gaia-Theorie von Lovelock und Margulis zurückgewiesen und lächerlich gemacht worden. In beiden Fällen geschah dies mit durchaus soliden und keineswegs nur theologischen Argumenten: Für die Annahme eines geozentrischen Weltbild lagen im 16. Jahrhundert durchaus nachvollziehbare wissenschaftliche Daten und Berechnungen vor[ii], ebenso wie im 20. Jahrhundert für die Annahme, dass es sich bei der Erde um eine tote Steinkugel handelt, auf der sich aus irgendeiner chemischen Ursuppe durch den Mechanismus der Evolution (Mutation und Selektion) Leben entwickelt hat. Doch wie Galilei und Kopernikus die Planeten und die Sonne zurechtgerückt haben, haben Lovelock und Margulis eine neue Perspektive auf die Erde und das Leben geschaffen – jeweils mit »strenger Naturwissenschaft« und jeweils gegen die herrschenden Dogmen ihrer Zeit

»Die Gaia-Theorie fordert eine globale Perspektive. Entscheidend ist die Gesundheit des ganzen Planeten und nicht die irgendeiner einzelnen Art von Organismen. Eine partielle Besetzung eines Planeten durch lebende Organismen kann es nicht geben. Ein solches Phänomen wäre genauso kurzlebig wie ein halbes Lebewesen. Zur Regulierung der Lebensumwelt braucht der Planet eine genügende Zahl lebender Organismen. Bei einer unvollständigen Verteilung würden ihn die unvermeidbaren Kräfte physikalischer und chemischer Entwicklung bald unbewohnbar machen. Wenn die Handlungsweise eines Organismus der Umgebung genauso nützt wie ihm selbst, wird seine Ausbreitung gefördert. Der Organismus und die mit ihm zusammenhängende Veränderung der Umgebung wird schließlich auf der ganzen Erde zu finden sein. Der umgekehrte Fall gilt genauso. Jede Art, die der Umgebung Schaden zufügt, wird untergehen; das Leben aber geht weiter.«[3]

Die Erde lebt – und zwar auch ohne die Menschen. Gaia hat in ihrer Geschichte schwere Meteoriteneinschläge überlebt und atomare Katastrophen, gegen die sämtliche Waffenarsenale und Atomkraftwerke der Menschheit wie ein laues Lüftchen wirken. Beschränkte Ideologen wollten in Lovelocks Betonung der Stabilität des Lebens ein Entsorgungs-Szenario für eine fortschreitende Umweltverschmutzung sehen – nach dem Motto: Egal, wie viele Arten wir vernichten, Gaia wird’s schon richten. Tatsächlich weist die Gaia-Theorie auf eine sehr viel radikalere Ökologie hin als ein auf Menschengesundheit fixierter Umweltschutz. Sie fordert statt eines am Menschennutzen orientierten, immer bloß nachträglichen Naturschutzes eine umfassende Verantwortung für die gesamte Biosphäre. Und dies nicht aus gutem Glauben und moralisch gebotener Ehrfurcht vor der Schöpfung, sondern aus faktischem Wissen heraus: Mutter Erde ist keine animistische Fiktion mehr, sondern wissenschaftliches Faktum.

Auch wenn Lovelock und Margulis immer wieder darauf hingewiesen haben, dass die Begriffe Lebewesen, Organismus oder physiologisches System nur als Metapher verstanden werden dürfen – schon allein deshalb, weil Lebewesen im Stoffwechsel mit ihrer Außenwelt stehen, Gaia aber alles, was auf ihr geschieht, komplett recyceln muss – legt die Gaia-Theorie den Gedanken nahe: Die Erde lebt. Den Einwand von Kritikern, dass dieser Gedanke unsinnig sei, weil Lebewesen ja dadurch gekennzeichnet sind, dass sie sich reproduzieren, hat James Lovelock aus der Weisheit des Alters – er wurde im Juli 2019 100 Jahre alt – mit dem Hinweis gekontert, dass für ein vier Milliarden altes Lebewesen Reproduktion einfach kein Thema mehr sei. Warum fällt es modernen Rationalisten und postmodernen Skeptikern so schwer, sich die Erde als Lebewesen vorzustellen?

Da ist erst einmal die psychologische Kränkung: Wie Kopernikus und Galilei, die die Menschen ihrer Stellung als Mittelpunkt des Universums beraubten, wie Darwin, der ihnen die Rolle als Ausnahmeerscheinung nahm, indem er den Affen als Vorfahren identifizierte, oder Freud, der das menschliche Ego mit der Bemerkung kränkte, es sei nicht Herr im eigenen Haus – wie alle diese wissenschaftlichen Paradigmenwechsel geht auch das Weltbild der lebenden Erde mit einer Kränkung einher. Wenn Gaia existiert, kann sich der Mensch nicht länger als Herr und Meister der Natur begreifen. Er ist Teil einer Ganzheit, deren Regeln er sich anpassen muss -– oder er wird als Spezies verschwinden.

Die zweite Schwierigkeit, sich mit der Vorstellung von Gaia abzufinden, ist unser Verständnis davon, was ein Lebewesen ist: Von der Blattlaus bis zum Blauwal haben wir keine Schwierigkeiten mit der Definition, aber noch vor wenigen Hundert Jahren schien es den Menschen gänzlich unvorstellbar, dass unterhalb der mit bloßem Auge erkennbaren Formen eine wimmelnde Welt von Mikro-Organismen existiert. Als Antoni van Leeuwenhook, auch er ein Erfinder, 1675 erklärte, mit seinen geschliffenen Linsen könnte man im Pfützenwasser kleine Lebewesen sehen, die er »animalcula« (Tierchen) nannte, erklärte man ihn erst mal für verrückt. Doch sein Mikroskop hat dann das für die Menschen erkennbare Spektrum des Lebens ganz wesentlich erweitert. Einen ganz ähnlichen Dienst leistet jetzt das „Makroskop“ des James Lovelock, sein Blick auf die Erde von außen. Es hat erstmals die Aufmerksamkeit auf einen Makro-Organismus gelenkt, den er Gaia nannte und der uns genauso unvorstellbar vorkommt, wie den Zeitgenossen Leeuwenhooks die Welt der Mikrolebewesen. Doch ebenso wie unsere Vorfahren gezwungen waren, diese winzige, wimmelnde Welt des Lebens zu akzeptieren, zu erkunden und zu verstehen, so obliegt es uns Heutigen, das riesige planetarische System Gaias zu akzeptieren und zu erkunden. Und zu verstehen, dass neben all den nicht-menschlichen Akteuren und Kollektiven, die auf dieses System seit Milliarden Jahren Einfluss nehmen – Pflanzen, Tiere, Ozeane, Böden – Homo sapiens in nur wenigen Jahrhunderten zu einem geophysikalischen Einflussfaktor geworden ist.

Betrachten wir die Erde im Zeitraffer, fällt zuerst der Rhythmus von Tag und Nacht auf, den man mit einem Pulsschlag vergleichen könnte. Bei etwas stärkerer Zeitraffung können wir so etwas wie den Kreislauf erkennen: wirbelnde Luft- und Meeresströmungen, die für die Zufuhr von Nahrungsstoffen sorgen und Abfallstoffe davonführen – ähnlich wie das Blut im menschlichen Kreislauf. Beim weiteren Beschleunigen unserer Zeitmaschine gerät die Hautoberfläche Gaias in den Blick: umherdriftende Kontinente, mäandernde Flüsse, riesige Wälder und Grassteppen, die sich in Windeseile ausdehnen und wieder zurückziehen. Das Gesicht der Erde – wenn wir vier Milliarden Jahre zu einem Kurzfilm zusammenfassen, sehen wir, wie es sich ständig verändert, wie es auf seine Umgebung reagiert und seinerseits, mit strengem Mienenspiel, auf sie Einfluss nimmt. Manchmal antwortet es für einen Moment mit eisiger Strenge – und während der Eiszeiten wirkten große Teile des Gesichts tatsächlich wie erstarrt –, doch nachher zeigte sich, dass auch dies nur ein Mittel war, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Wie heute manche Lebensmittel bedurfte auch das Leben selbst auf dem langen Weg der Evolution offenbar bisweilen der Konservierung durch Tiefkühlung.

Die letzte Sekunde des Films zeigt die Erdgeschichte der vergangenen 50.000 Jahre bis heute. In Zeitlupe betrachtet, können wir die finale Menschwerdung des Affen beobachten: Durch eine neue Technologie, die Handhabung des Feuers, ist er weniger wetter- und standortabhängig als alle anderen Tiere und breitet sich bald überall aus. Dann ist ein weiteres faszinierendes Ereignis zu beobachten: die Entstehung einer Speichertechnologie, mit der sich die Menschen nun auch zeitunabhängig machen – dank der Sprache können sie erworbenes Wissen konservieren und weitergeben. Dieser Informationsvorsprung scheint sie allen anderen Lebensformen nun endgültig überlegen zu machen. Mit den letzten Bildern des Films jedoch werden wir Zeuge einer dramatischen Situation: So plötzlich hat Gaia ihr Gesicht noch nie verändert. Blitzartig verschwinden die Waldflächen in Afrika, Europa und Nordamerika – und auf dem letzten Bild des Films, dem Beginn des Industriezeitalters, beginnt die Atmosphäre, sich durch Rauch und Abgase zu verdunkeln. Das Licht geht wieder an. Der Film ist zu Ende. Wir sind wieder in der Wirklichkeit. Willkommen im Anthropozän.

1 Lynn Margulis: Der symbiotische Planet, 2019 –  Wie die Evolution wirklich verlief

2 Wie Arthur Koestler (Die Nachtwandler 1959/ 1980) sehr schön zeigt, konnte auch Galilei – anders als die Legende behauptet – keinen schlüssigen Beweis dafür vorlegen, dass die Lehre des Kopernikus von der Bewegung der Erde um die Sonne richtig ist

3 James Lovelock: Das Gaia-Prinzip, 1993

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3JT #81: GasLighting

Posted on by Mathias Broeckers / 3 Comments

https://www.youtube.com/embed/LQ5uQhuwOU8?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=German&autohide=2&wmode=transparentWir leben in irren Zeiten – oder werden wir irre gemacht? Bald gehen bei uns die Lichter aus und die Außenministerin und der Verfassungsschutz befürchten Volksaufstände. Ist daran schon wieder Putin schuld?
Außerdem: Eine Stiftung betreibt mit Staatsgeldern sogenannte „Gegneranalyse“ und hat alternative Medien im Fadenkreuz. In der Ukraine ist ein Geheimdienstplot aufgeflogen. Und was gibt es Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #81 des 3. Jahrtausends!

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 40

Posted on by Mathias Broeckers / 84 Comments

Weil “Verhandeln” bedeutet, das “Gesicht zu verlieren” was gleich gesetzt wird mit einer “Niederlage”, hat sich der kollektive Westen in eine Sackgasse manövriert, wie  Alastaire Crooke schreibt:

Der Westen ist so sehr in seine phantastische Erzählung vom unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch und der Demütigung Russlands verstrickt, dass er sich selbst “festfährt”. Er kann nicht vorankommen, weil er befürchtet, dass die NATO der Aufgabe, den russischen Streitkräften entgegenzutreten, nicht gewachsen ist (Putin hat darauf hingewiesen, dass Russland noch nicht einmal begonnen hat, seine volle Schlagkraft einzusetzen). Doch wenn der Westen sich auf einen Deal einlässt und sich zurückzieht, würde er sein Gesicht verlieren.
Der Westen hat sich damit zur Geisel seines hemmungslosen Triumphalismus gemacht, der sich als Informationskrieg ausgibt. Er hat sich für diesen zügellosen Hurrapatriotismus entschieden. Bidens Berater jedoch, die die Runen des Krieges – des unaufhaltsamen russischen Vormarsches – lesen, wittern ein weiteres außenpolitisches Debakel, das sich schnell anbahnt. Sie sehen in den Ereignissen keineswegs eine Bestätigung der “regelbasierten Ordnung”, sondern vielmehr eine schonungslose Offenlegung der Grenzen der US-Macht, die nicht nur ein wiedererstarktes Russland in den Vordergrund rückt, sondern auch eine revolutionäre Botschaft für den Rest der Welt (eine Tatsache, die der Westen allerdings noch nicht erkannt hat).
Darüber hinaus zerfällt das westliche Bündnis in dem Maße, wie sich Kriegsmüdigkeit einstellt und die europäischen Volkswirtschaften auf eine Rezession zusteuern. Die heutige instinktive Neigung, erst zu entscheiden und dann zu denken (europäische Sanktionen), hat Europa in eine existenzielle Krise gestürzt.
Das Vereinigte Königreich ist ein Beispiel für das gesamte europäische Problem: Die politische Klasse des Vereinigten Königreichs, verängstigt und verwirrt, war zunächst “entschlossen”, ihren Führer zu beseitigen, um dann festzustellen, dass sie keinen Nachfolger mit der nötigen Ernsthaftigkeit hatte, um die neue Normalität zu bewältigen, und dass sie keine Ahnung hatte, wie sie der Falle entkommen sollte, in die sie sich begeben hatte. Sie wagen es nicht, wegen der Ukraine ihr Gesicht zu verlieren und haben keine Lösung für die kommende Rezession. Und das Gleiche gilt für die politische Klasse Europas: Sie ist wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines entgegen kommenden Autos.”

Wobei sich das Reh offenbar auch noch  einbildet,  die beiden entgegenkommenden Scheinwerfer seien zwei Motorräder, durch die man einfach durchschlüpfen kann und alles wird wieder gut… um dann, als sich herausstellt, dass es eine Autoe ist, den Ukrainern auf der Straße zuzurufen: „Sie sterben für Europa, sie haben verdient, den europäischen Traum mit uns zu leben“ (Uschi von der Leyen)… Von dem aber nichts übrigbleiben wird, selbst wenn die EU-Bürokraten am Ende darauf verzichten, die Ukraine beitreten zu lassen – der Euro ist schon jetzt eine Weichwährung und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Vorteil, dass eine schwache Währung dem Export zugute kommt, existiert nicht mehr, wenn keine billige Energie für die Industrieproduktion zu  Verfügung steht, sondern teuer eingekauft werden muss – mit  “harten” Währungen wie dem Dollar ( + 15% seit Jahresbeginn) oder dem Rubel, der sogar 44% teurer wurde. Im April hatte ich einem Bekannten, der für die Bundesregierung arbeitet, geraten, bei den  Planungen und  “War Games” das Szenario “Wiedereinführung der D-Mark” auf die Tagesordnung zu setzten, weil man einen Plan B oder C in der Tasche haben sollte, wenn sich der  Superplan A – Russland “ruinieren” – als Sackgasse erweist. Dass er das mittlerweile tut,  ist unbestreitbar – es sei denn, man hat sich  sich mit “zügellosem Hurrapatriotsimus” selbst als Geisel genommen und kommt nicht runter von diesem Trip, weil man Opfer der eigenen Propaganda geworden ist. Eines hysterischen Moralismus, der ein derart ultimativ Böses (Puuuutin) konstruiert hat,  dass jeder Kompromiss ausgeschlossen ist.

Könnte es sein, dass Russland mit seinem Vorgehen in der Ukraine dafür gesorgt hat, dass der kollektive Westen in eine Falle getappt ist?  Warum haben die Russen die ukrainischen Truppen im Donbass nicht längst von der Versorgung abgeschnitten und sämtliche Brücken über den Dnjepr und die Bahnverbindungen zerstört, was sie ohne Weiteres hätten tun können ? Lassen sie zu, dass schwere Artillerie und westliche Waffen an die Front geschafft werden, um sie dort konzentriert leichter zerstören zu können als in den im Land verteilten Depots? Wollen sie dafür sorgen, dass so den NATO-Ländern, die das Material liefern, selbst die Munition und der Nachschub ausgeht? Die USA haben schon ein über Drittel aller ihre Stinger und Javelin-Raketen geliefert und der diensthabene Komiker in Kiew verlangt laufend mehr – in einem Monat verballert die Ukraine eine komplette US-Jahresproduktion. Dass die Russen bei ihrer “Militäroperation” so gemächlich langsam vorgehen –  was westliche Triumphialisten dann sofort auf  “Schwäche” oder Materialknappheit ( “Den Russen gehen die Raketen aus!”) zurückführen – könnte beabsichtigt sein:  Russland lässt sich Zeit, und folgt einer strategischen Weisheit Napoleons : Nicht unterbrechen, wenn die Feinde einen Fehler machen.
Lass sie ruhig noch ein paar “Wunderwaffen” liefern, die am Kriegsausgang nichts ändern,  lass sie  weiter ihre Arsenale leeren, die wegen Rohstoff, -und Energiekrise nur aufwändig wieder gefüllt werden können, lass sie weiter “Sanktionspakete”  schnüren, die ihnen als Bumerang um die Ohren fliegen und ihre ohnehin überschuldeten Haushalte ruinieren. Und lass sie ruhig weiter ihren “Informationskrieg”  gewinnen, und sich als glorreiche Sieger und heilige Kämpfer gegen das Ultraböse und seine Ausgeburt Wladimir Putin fühlen – an den Fakten, der Realität “on the ground”, ändern diese Fiktionen rein gar nichts.
“Der Westen hat Uhren, wir haben Zeit” lautete die Parole der paschtunischen Sandalenarmee, die vor zwei Jahren die NATO aus Afghanistan verjagte. Und jetzt scheint die Zeit für Russland zu spielen, das die NATO aus der Ukraine verjagen will. Denn der geostrategische Plan des US-Imperiums, den Russen mit einem Krieg in der Ukraine ein “Afghanistan 2.0” zu bereiten, geht ebenso nach hinten los wie die Sanktionsorgie im Wirtschaftskrieg. Nicht die Russen, der Westen wird von dem sinnlosen Gemetzel und seinen Folgen zermürbt. Und die NATO steht einmal mehr als Papiertiger da, der zwar gern über wehrlose Nationen herfällt, gegen wehrhafte militärische Gegner aber außer Gebrüll wenig zu bieten hat. 
Auch nicht gegen “das gefährlichste Szenario”, welches Zbig Brzezinski in seinem Buch “Das große Schachbrett”  benannt hat, und das bei dem gestrigen Besuch Putins in Teheran und einem 40-Milliarden-Deal mit Gazprom über die Förderung von iranischem Erdgas besiegelt wurde:
“Das potentiell gefährlichste Szenario [für Amerika] wäre eine große Koalition aus China, Russland und vielleicht dem Iran, eine ‘anti-hegemoniale’ Koalition, die nicht durch eine Ideologie, sondern durch komplementäre Interessen vereint wäre.”
“Joe Biden has finally managed to create that” – schreibt Bernhard von Moon of Alabama dazu. Und man kann nur hoffen, dass der senile POTUS und seine Vasallen in Brüssel, Berlin und Paris langsam checken, auf was sie sich einlassen und dass sie in einem Kampf The West vs.The Rest nur die Verlierer sein können. Die unipolare Welt ist definitiv zu Ende und wer das zu spät merkt, den bestraft das Leben.

Zu Ende scheint es auch mit dem Regime des Komikers und TV-Unternehmers Zelenski zu gehen, der gerade in einer “Säuberungsaktion” seinen Geheimdienstchef, den Generalsstaatsanwalt und weitere Mitarbeiter wegen “Kollaboration” mit Russland entlassen hat. Seit einigen Wochen kursieren schon Gerüchte, dass ein Coup gegen Zelenski und ein Regierungswechsel vorbereitet werden, um einen Ausweg aus dem Krieg zu finden. Der engste Zirkel Zelenskis verläßt indessen schon das sinkende Schiff, darunter der Ex-Parlamentschef  Razumkov, Sicherheitsberater Danyliuk und die unlängst wegen Horromärchen über russische Vergewaltigungen entlassene Menschenrechtsbeauftragte Lyudmyla Denisova. Diese drei scheinen die Ukraine so sehr zu lieben, dass sie lieber im Ausland wohnen, und auch nicht irgendwo, sondern in der Schweiz und nicht in einer bescheidenen Bergütte, sondern jeder in einem stattlichen Anwesen mit reichlich Wohnfläche. Was die Frage, wo denn die Abermillionen, die im schwarzen Loch Ukraine verschwinden, eigentlich landen, zumindenst ein ein Stück weit beantwortet: jedes dieser Chalets im feinen Gstaad hat etwa 9 Millionen Euro gekostet.

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 39

Posted on by Mathias Broeckers / 73 Comments

Hätten die Russen im  Juli vor 80 Jahren schon lenkbare Präzisionsraketen vom Typ “Kalibr” gehabt, wie sie jetzt in einem Offiziersclub in der ukrainischen Stadt Winniza eingeschlagen sind, wäre der Weltkrieg sofort erledigt gewesen. Oder zumindest der “Führer”, der am 2. Juli 1942 dort sein östliches Hauptquartier “Werwolf” bezogen hatte, um für drei Monate den Krieg an der Ostfront zu beaufsichtigen. Das Country Club-artige Gelände mit 81 Gebäuden, drei Bunkern, Kino, Sauna und Swimmingpool wurde von 4000 Zwangsarbeitern errichtet, die anschließend in Massengräber verscharrt wurden. Dem Bestreben, dort nicht nur eine Gedenkstelle für die Opfer, sondern ein Museum einzurichten, hatte sich die Regierung Yanukowitsch 2011 noch widersetzt, 2016 jedoch wurde ein Museum errichtet – der  Hitler-Bunker, berichtete die “Welt”,  soll Besucher in die Ukraine locken.  Zu besichtigen ist dort allerdings nichts mehr, die Anlage wurden von den Deutschen bei ihrem Rückzug gesprengt und besteht nur noch aus einem Trümmerfeld. Zu einem solchen hatte die Naziarmee bei ihrem Rückzug auch die angrenzende Stadt Winniza gemacht, die dann von der Sowjetunion wieder aufgebaut wurde – unter anderem mit einem stattlichen, neo-klassischen Bau im Zentrum, dem “Haus der Offiziere”. Dieses liegt seit dem vergangenen Mittwoch, wie das russische Verteidigungsministerium am 14.7. meldete,  ebenfalls in Trümmern:

Am 13. Juli wurden auf das “Haus der Offiziere” der Garnison in Winniza die hochpräzisen, seegestützten Kalibr-Raketen gestartet. In der Einrichtung fand eine Konferenz der ukrainischen Streitkräfteführung mit Vertretern ausländischer Waffenlieferanten statt, auf der die Entsendung einer weiteren Charge von Flugzeugen, Zerstörungsmitteln sowie die Organisation der Reparatur ukrainischer Flugzeuge erörtert werden sollten. Der Angriff führte zur Ausschaltung der Konferenzteilnehmer.”

Letzteres wurde von ukrainischer Seite nicht bestätigt,  dass aber das Haus der Offiziere dahin ist, zeigen zahlreiche Fotos und Videos des Gebäudes, zu denen von westlicher Seite aber nur von russischen “Angriffen auf Zivilisten” (und 24 Toten) die Rede ist – dass der Offiziersclub  ein “mögliches Ziel” der Attacke gewesen ist, wird von der “New York Times” im sechsten Abschnitt des Artikels eher nebenbei erwähnt. Tatsächlich war er das  eigentliche Ziel und wurde aus 200 Kilometern Entfernung exakt getroffen, was  für die triumphalistischen Medien aber nicht ins Bild passt und besser unerwähnt bleibt. Zumal man dann auch hinzufügen müsste, dass derartige Treffer auch auf jedes andere Gebäude, jeden anderen Treffpunkt,  jederzeit möglich sind und selbst neuartige Führerbunker vor  Kinzhal, Sarmat & Co. nicht sicher. Für NATO-Berater, Waffenhändler und ihre Freunde gilt:  ukrainische Offiziersclubs besser meiden – die Russen haben da ungute Erinnerungen. Sie sehen das mit Autokratie vs. Demokratie historisch und aktuell genau anders herum als der kollektive Westen. 

Und sie haben offensichtlich die besseren Raketen, was den “Experten” des US-Imperiums allerdings schwer in den Kopf geht. Wenn sie sich ihr Budget ansehen, kann und darf das eigentlich nicht sein. Deshalb wurde schon im März verkündet, dass Russland bald die Raketen ausgehen. Im Juli aber dann festgestellt, dass schon 2.500  gefeuert wurden und kein Ende abzusehen ist. Dass im Gegenzug mit den amerikanischen HIMARS jetzt auch ein paar Munitionsdepots und zivile Gebäude hinter der Frontlinie zerstört werden konnten, wird in den Medien zwar als Erfolgsgeschichte verkauft, ist aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Seit dem 24. Februar werden jeden Tag und  jede Nacht ukrainische Depots, Stützpunkte und Militäreinrichtungen von russischen Raketen getroffen. Selbst wenn morgen nicht nur ein halbes Dutzend, sondern von Zauberhand 100 HIMARS an der Donbass-Front stünden, würde das die Schlacht zwar verlängern, aber nicht entscheiden. Dass der regierende Komiker Zelenski  jetzt tönt,  die Ost-Ukraine und die Krim zurückzuerobern,  hat wenig mit irgendeiner realistischen Aussicht zu tun, sondern eher mit zu viel kolumbianischem Marschierpulver – sowie der Anweisung seiner transatlantischen Overlords, bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen. Was gnadenlos grausam ist: allein bei den Raketenangriffen, so der Blog “Military Summary”, der ukrainische und russische Quellen auswertet, kommen derzeit etwa 25.000 Soldaten und Söldner  der ukrainischen Armee ums Leben.
Dass es zu diesem schrecklichen, sinnlosen Blutvergießen kommen wird, hatte ich hier seit Anfang März vorhergesagt und deshalb im Namen realpolitischer Vernunft sofortige Verhandlungen gefordert.  Das hätte zigtausende Tote und unendliches Leid erspart, doch der kollektiv wahnsinnige Westen hat noch immer nicht genug davon und lässt weiter kämpfen und sterben. Kriegskanzler Scholz haute dafür vor seinem Urlaub im Allgäu in einem Gastbeitrag für die FAZ noch einmal auf den Putz:

“Dass wir unsere Sanktionen womöglich lange Zeit aufrechterhalten müssen, war uns von Beginn an klar”, schrieb Scholz. Präsidenten Wladimir Putin müsse klar sein, dass bei einem russischen Diktatfrieden in der Ukraine keine einzige Sanktion aufgehoben werde.

Auch wenn man den Unsinn noch so oft wiederholt, dass man sich keinen Frieden “diktieren” lassen will: wer im Krieg verliert, kommt um Diktate nicht herum. Und wer “zum geopolitischen Akteur” werden will, was Scholz angeblich möchte, kann das niemals, wenn er sich als unterwürfiger Vasall von der Energieversorgung abschneidet und den Industriestandort Deutschland mit Vollgas an die Wand fährt. Die Drohung, dass auch bei Kriegsende keine einzige Sanktion aufgehoben wird, war den Russen von Beginn an klar, damit kann Scholz Putin nicht erschrecken. Ihm sollte aber mit Blick auf die Außenhandelsbilanz, die Euro-Talfahrt, die Inflation und Rezession langsam klar werden, wer der große Verlierer bei den geostrategischen Ukraine-Russland-China-Schachzügen des US-Imperiums sein wird. Und dass es höchste Zeit wird, sich aus dieser gefährlichen militärischen Durchsetzung unipolarer Hegemonie zu verabschieden und an einer neuen multipolaren Welt zu bauen. Nicht utopisch, sondern realpolitisch: “Wo sind die Realos geblieben?” fragt die Ex-Ober-Reala der Grünen, Antje Vollmer:

Ich verstehe das Dilemma der aktuellen Politik. Ich verstehe sogar, dass sie sagt: Das alles hat uns Putin aufgezwungen. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Noch sind wir selbst Herren unserer politischen Entscheidungen. Wir müssen nicht aus Angst vor dem moralischen Tod Selbstmord begehen.
Es gibt keine ernsthafte Alternative zu nüchterner Realpolitik. Wir leben in einer Welt und auf einem Kontinent. Der Traum der demokratisch-moralischen Weltmission des Westens hat einerseits viel liebenswerten Enthusiasmus, andererseits viel Doppelmoral und politische Unvernunft befördert. Die Aufgabe des Augenblicks ist, den fahrenden Zug Richtung Eskalation anzuhalten, nachzudenken und wieder ins Gespräch zu kommen.
Wo sind die diskreten Emissäre aus Frankreich und Deutschland vom Kaliber eines Egon Bahr, die erst einmal dauerhaft ihre Zelte in Moskau und in Kiew aufschlagen, um zu sehen, wo es einen Ausweg geben könnte? Wo ist die Delegation der Uno, die mit einem Mandat der Vollversammlung das Gleiche versucht? Wer greift das durchaus überzeugende Konzept einer Experten-Kommission auf, die im Vatikan getagt und Bedingungen für einen Waffenstillstand erkundet hat? Wo ist die Debatte über dieses Papier in den deutschen Leitmedien? Wo ist eine neue Bewegung der blockfreien Staaten, gestützt auf die wichtigen und bevölkerungsreichen Länder, die sich in der Uno bei der Resolution gegen Russland enthalten haben?
Es stimmt nicht, dass es angesichts dieses Krieges keine Alternativen zur Sanktionspolitik gibt. Es wird nicht einfach, das Steuer herumzureißen. Zu viele waren beteiligt am Weg in die falsche Richtung. Aber sage keiner, die Bevölkerung würde einen solchen Ausweg nicht unterstützen. Das Gegenteil ist der Fall: Alle warten endlich auf ernsthafte Verhandlungen.

Antje Vollmer : Zweifel an der Sanktionspolitik gegen Russland: Wo sind die Realos geblieben?


(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 38

Posted on by Mathias Broeckers / 67 Comments

Wenn es grundsätzlich wird in der Debatte über den Krieg und tendenziell nur noch  Schwarz/Weiss gedacht und sich Unterdrücker und Freiheitskämpfer alternativlos gegenüberstehen, werden derzeit gern die Begriffe “Demokratie” und “Autokratie” bemüht. Also wir, die guten Demokraten im Westen, gegen die üblen Autokraten im Osten. Mit dieser Dichotomie setzt der neue Kalte Krieg nahtlos auf der Systematik des alten auf, als die Autokraten noch “Soffjets” (Adenauer) und “Kommunisten” genannt wurden. Und wie einst “Kreml-Astrologen” die teuflischen Aktivitäten des ZK vorherzusagen versuchten – und in ihrer Echokammer derart ahnungslos waren, dass sie vom Zusammenbruch der Sowjetunion völlig überrascht wurden –  sind nun ganze Heerscharen küchenpsychologischer Putinologen und Ferndiagnostiker am Werk, um die nächsten Schritte des im “Hitler-Stil” (The Sun) agierenden russischen Präsidenten zu deuten. Und liefern Analysen, die an keinem Bullshit-Detektor vorbeikämen – wären die in Medienhäusern und Verlagen nicht längst abgeschafft – und von der Realität regelmäßig widerlegt werden. Wie jetzt von ihrem “liberalen Hoffnungsträger”, Ex-Präsident Dmitrij Medwedew, der in Sachen “Spezielle Militäroperation” den Bad Cop spielt, auf Twitter heftig rumpoltert und in den sozialen Medien Russlands (oben ein Fundstück von “VK”-User Doctorfood Lisboa) im Rambo-Stil porträtiert wird. Was Autokratie und Demokratie betrifft sehen die Russen die Rollen derzeit offenbar genau anders herum verteilt – und wollen von den “demokratischen” Segnungen des Westens nichts mehr wissen. Nicht nur weil das neoliberale Raubrittertum, das in den 90er Jeltsin-Jahren wütete, seine Chance in Russland vertan hat und  nie wieder Fuß fassen wird, sondern auch, weil hinter der zusammenbrechenden Glitzerfassade der westlichen “Demokratie” die Fratze der Oligarchie schon  überdeutlich sichtbar geworden ist.
Die Ablehnung einer “autokratischen” Regierung durch die westlichen Fassadendemokratien hat deshalb auch nichts mit ihrer jeweiligen Regierungsform zu tun, wie etwa die Allianzen mit  archaischen arabischen Despoten zeigen, sondern allein damit, ob sie sich dem US-Imperium und seiner Finanzoligarchie unterwerfen oder nicht. Der Ökonom Michael Hudson hat in einem sehr lesenswerten Vortrag den aktuellen Hintergrund der rhetorischen Differenz Autokratie/Demokratie deutlich gemacht:

 Der kommende Konflikt kann vielleicht zwanzig Jahre dauern und wird darüber entscheiden, welche Art von politischem und wirtschaftlichem System die Welt haben wird. Dabei geht es um mehr als nur um die Hegemonie der USA und ihre Kontrolle der internationalen Finanz- und Geldschöpfung durch den Dollar. Politisch geht es um die Idee der “Demokratie”, die zu einem Euphemismus für eine aggressive Finanzoligarchie geworden ist, die versucht, sich weltweit durch räuberische finanzielle, wirtschaftliche und politische Kontrolle, unterstützt durch militärische Gewalt, durchzusetzen.

Wie ich zu betonen versucht habe, ist die oligarchische Kontrolle der Regierung seit der klassischen Antike das charakteristische Merkmal der westlichen Zivilisation. Und der Schlüssel zu dieser Kontrolle war der Widerstand gegen eine starke Regierung – d.h. eine zivile Regierung, die stark genug ist, um zu verhindern, dass eine Gläubigeroligarchie entsteht und die Kontrolle über Land und Reichtum monopolisiert und sich selbst in eine erbliche Aristokratie verwandelt, eine Rentierklasse, die von Landrenten, Zinsen und Monopolprivilegien lebt, die die Bevölkerung im Allgemeinen in die Enge treibt.(..)

Präsident Biden und seine neoliberalen Kollegen im Außenministerium beschuldigen China und jedes andere Land, das seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und Eigenständigkeit bewahren will, als “autokratisch”. In ihrem rhetorischen Taschenspielertrick stellen sie Demokratie und Autokratie einander gegenüber. Was sie als “Autokratie” bezeichnen, ist eine Regierung, die stark genug ist, um eine westlich orientierte Finanzoligarchie daran zu hindern, die Bevölkerung zu verschulden – und dann ihr Land und anderen Besitz in ihre eigenen Hände und die ihrer amerikanischen und anderen ausländischen Geldgeber zu nehmen.

Michael Hudson: The End of Western Civilization – Why It Lacks Resilience, and What Will Take Its Place

Darum geht es. Und der Krieg in der Ukraine markiert das Ende dieser unipolaren Welt. Ob China und Russland es besser machen, ob die Alternativen zum Dollar, zur Weltbank, zum IWF, die sie aufbauen, weniger Schuldsklaven produzieren als Wall Street und die City of London und dazu führen, die Welt zu einem gerechteren Ort zu machen, das steht noch in den Sternen. Aber dass dieser Bruch  stattgefunden hat und vollzogen wird, dazu braucht´s keine astrologische Spekulation, sondern nur ein Ohr für Wladimir Putins klare Ansage vor dem Parlament am 7. Juli:

Der kollektive Westen ist der unmittelbare Anstifter und der Schuldige an dem, was heute geschieht.(…)

Aber ich möchte Ihnen Folgendes klar machen. Sie hätten sich von Anfang an darüber im Klaren sein müssen, dass sie bei unserer Speziellen Militäroperation verlieren würden, denn diese Operation bedeutet auch den Beginn eines radikalen Zusammenbruchs der Weltordnung amerikanischer Prägung. Dies ist der Beginn des Übergangs vom liberal-globalistischen amerikanischen Egozentrismus zu einer wirklich multipolaren Welt, die nicht auf eigennützigen Regeln beruht, die sich jemand für seine eigenen Bedürfnisse ausgedacht hat und hinter denen sich nichts anderes als das Streben nach Hegemonie verbirgt(…)

Wie uneigenützig Moskau und Peking künftig agieren werden, muss sich zeigen, dass sie aber eigenständig und nicht unterwürfig gegenüber den westlichen Interessen handeln werden und sich von  militärischen Drohungen nicht mehr einschüchtern lassen, steht fest. Auch das hat Putin in  einfachen Worten deutlich gemacht:

“Heute hören wir, dass sie uns auf dem Schlachtfeld besiegen wollen, nun, was soll ich sagen, sollen sie es doch versuchen. Wir haben schon oft gehört, dass der Westen uns bis auf den letzten Ukrainer bekämpfen will – das ist eine Tragödie für das ukrainische Volk. Doch es sieht so aus, als würde es darauf hinauslaufen. Aber jeder sollte wissen, dass wir  – im Großen und Ganzen – noch gar nicht richtig angefangen haben.(..)
Wir lehnen Friedensverhandlungen nicht ab, aber diejenigen, die sich weigern, sollten wissen, dass es für sie umso schwieriger wird, mit uns zu verhandeln, je länger sie sich hinziehen.(..)

Mit  diesem “You Aint Seen Nothing Yet”   – einer meiner Lieblingssongs 1974/75 – weist  Putin auf die Tatsache hin, dass bei der “Militäroperation” bisher nur ein Bruchteil der Streitkräfte und des modernen Waffenarsenals Russlands überhaupt zum Einsatz gekommen ist. Wegen dieser haushohen Überlegenheit stand die militärische Niederlage der Ukraine vom ersten Tag an fest. Offen war und ist nur, wie viele Ukrainer als Kanonenfutter sterben müssen, bis der Westen das einsieht, und ob auch noch die europäischen Industriestaaten, allen voran Deutschland, ruiniert werden müssen, um klar zu machen, dass ein Krieg gegen Russland und China nicht zu gewinnen ist. Dem liberalen Establishment in den USA scheint das jetzt langsam zu dämmern: Das amerikanische Jahrhundert ist zu Ende, titelt “Harpers Bazar” im Juli und stellt fest:

“Das Amerikanische Jahrhundert hat nicht die hoch gesteckten Ziele erreicht, die Oligarchen wie Henry Luce (der 1941 mit seinem “Life”-Magazin den Claim “The American Century” prägte, MB ) damit verfolgten. Aber es hat gezeigt, dass Versuche, die Welt mit Gewalt zu beherrschen, scheitern werden. Die Aufgabe der nächsten hundert Jahre wird darin bestehen, kein amerikanisches, sondern ein globales Jahrhundert zu schaffen, in dem die Macht der USA nicht nur beschränkt, sondern reduziert wird, und in dem sich alle Nationen der Lösung der Probleme widmen, die uns alle bedrohen. Wie der Titel eines Bestsellers aus dem Jahr 1946 erklärte, bevor der Kalte Krieg jeden Versuch einer echten internationalen Zusammenarbeit ausschloss, werden wir entweder “eine Welt oder keine” haben.”

Hört sich gut an. Wenn NATOstan morgen aus der Ukraine die Waffen abzieht und Kiew militärische Neutralität erklärt, könnte es auch sofort damit losgehen. An den Russen läge es nicht, die wollen ja gar nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

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Ray McGovern: A Taste of The Truth

Posted on by Mathias Broeckers / 9 Comments

Der CIA-Veteran Ray McGovern war schon 1972 als Analyst mit dabei, als der ABM-Vertrag zwischen den USA und der Sowjetunion über die Begrenzung von antiballistischen Raketenabwehrsystemen geschlossen wurde. Damit wurde ein Gleichgewicht des Schreckens hergestellt: keine der beiden Nuklearmächte sollte mehr in die Versuchung eines atomaren Erstschlags kommen, weil sie vor dem Gegenschlag ungeschützt ist. 1987 beriet und briefte McGovern  Vizepräsident George H.W Bush beim Abschluss des INF-Vertrags, der die nuklearen Mittelstreckraketen begrenzte. Beide Verträge wurden von den Vereinigten Staaten gekündigt, ABM 2002 von George W.Bush und der INF-Vertrag 2019 von Donald Trump. Der Vortrag und das Gespräch mit Ray McGovern (deutsche Untertitel einstellbar) liefert aus erster Hand die historischen Vorläufe und Zusammenhänge über den Staatsstreich 2014 bis zum aktuellen Krieg. Wer den “Tatort” Ukraine verstehen will, sollte auf dieses lehrreiche Sonntagskino nicht verzichten.

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